VERHALTENSTHERAPIE und
TIERPSYCHOLOGISCHE BERATUNG

Dieses Thema liegt mir persönlich ganz besonders am Herzen. Verhaltensauffälligkeiten bei Haustieren werden in unserer hektischen und lärmgeplagten Zeit immer häufiger.
In vielen Fällen handelt es sich aber um hausgemachte Probleme, die einfach durch mangelnde Kommunikation zwischen Tier und Mensch, aber auch durch zu wenig (oder falsch übermitteltes) Wissen des Tierhalters, über die Bedürfnisse seines vierbeinigen Kameraden entstehen!

Anschaffung:
Daher ist es ganz besonders wichtig sich vor der Anschaffung eines Haustieres einige Dinge zu überlegen:

was mache ich wenn ich krank bin? (der Hund muß trotzdem Gassi gehen!!)
wohin im Urlaub mit Hund und Katze? (man sehe sich nur die Tierschutzhäuser an die in den Sommermonaten aus allen Nähten platzen)
will ich Kratzspuren und Katzenhaare auf meinen Designermöbeln und überall im Haus haben?
wieviel Geld möchte ich investieren (Futter, Tierarzt, Ausbildungskosten etc...)
wieviel Zeit habe ich eigentlich für ein Tier? -> bzw wieviel Zeit möchte ich eigentlich in die Beschäftigung mit meinem Haustier investieren?

Haltung:
Unsere Haustiere sind keine Sportobjekte, Streicheltiere für Kinder oder einfach Ziergegenstände für unser Haus, den Garten, oder unser Ego!
Sie sind lebendige Wesen wie wir, mit einem empfindlichen Seelenleben und eigenen, artspezifischen Bedürfnissen.
Der Hund ist ein Rudeltier! Er benötigt die Zuwendung des Menschen bzw. seiner Familie, viel Beschäftigung und soziale Kontakte zu Artgenossen. Er ist nicht dazu geboren allein im Garten zu sitzen und das Haus zu bewachen, oder in Kindergewänder gesteckt und herumgetragen zu werden. Der Hund muß ein Hund bleiben dürfen!!

eingewickelt, in Kindergewand gesteckt und auf den Arm genommen; was bleibt da noch außer KLÄFFEN?

oder so, vor lauter spielen vergesse ich ganz aufs bellen!

Die Katze die eigentlich ein Raubtier ist, ist auch nicht glücklich wenn sie täglich 8-10 Stunden allein in der Wohnung verbringt – womöglich noch auf einen Raum begrenzt, damit sie weniger Schmutz und Haare hinterläßt- Am Abend wenn wir nach Hause kommen erhält sie dann 1-2 Stunden Aufmerksamkeit, aber ab 22 Uhr sperren wird sie aus dem Schlafzimmer damit wir Nachts unsere Ruhe haben!
Was soll dieser von Natur aus perfekt ausgestattete Jäger 20 Stunden alleine tun?
Nicht einmal das Futter muß mehr erbeutet werden, denn dieses wird vom wohlmeinenden Tierhalter den ganzen Tag zur Verfügung gestellt und verliert damit völlig seinen Reiz.

Kommunikation:
So gehaltene Tiere können gar nicht anders als Ihrem Tierbesitzer zu signalisieren, daß sie nicht glücklich sind. Die stubenunreine Katze pinkelt uns nicht aus Boshaftigkeit in die Wohnung, der aggressive Hund ist nicht von klein auf so gewesen - er hat meist schlechte oder gar keine Erfahrungen gemacht.
Tiere haben einfach eine andere Form der Kommunikation, die von uns Menschen häufig nicht verstanden wird. Daher ist es für jeden Tierbesitzer unbedingt erforderlich die Sprache seines Tieres verstehen zu lernen und sie auch richtig zu deuten!

Erziehung:
Tiere, ganz besonders Hunde bereiten uns so viel Freude! Sie lieben uns bedingungslos (egal wie wir heute aussehen oder ob wir einmal schlecht gelaunt sind). Darauf sollten wir nicht mit Erziehung über Druck, Strafe oder Schmerz antworten. Erziehung sollte über positive Verstärkung und Motivation erfolgen!! Auch wir arbeiten besser und lieber wenn wir durch irgendetwas (z.B. Geld) dazu motiviert werden!

„Wenn ihr Hund nicht gehorchen will müssen sie ihm zeigen wer der Herr im Hause ist!“ Ein gefährlicher Rat der bereits zu vielen Verletzungen von Tierbesitzern durch ihren Hund geführt hat. Ganz abgesehen davon, daß Strafmaßnahmen immer zu Lasten der Mensch-Tier Beziehung gehen und das gegenseitige Vertrauen zerstören.
Erziehung über positive Verstärkung bedeutet aber nicht das wir den Hund nur streicheln sollen. Feste Regeln sind unabkömmlich in der Hundeerziehung (das gilt generell für jede Tierart nicht nur für Hunde).
Der Hund muß wissen wo er steht. Das heißt eine festgelegte soziale Struktur um nicht zu sagen Hierarchie ist wichtig für Ihren vierbeinigen Kameraden. Sie gibt ihm Sicherheit und kann nur durch das konsequente Einhalten von festen Regeln erreicht werden.(Der Hund darf entweder immer aufs Sofa oder er darf es nie. Einmal ja wenn der Besitzer gerne die Füße gewärmt hätte und einmal nein wenn es gerade unpassend ist, das kann ein Hund nicht verstehen-das heißt: er weiß dann nicht woran er ist).

Sozialisierungsphasen:
Während dieser sehr wichtigen Entwicklungsphase der Haustiere enrtwickelt sich das Gehirn sehr stark. Daher sollten unsere Haustiere in dieser Zeit alles kennenlernen was sie später einmal können müssen (Autofahren, sozialer Kontakt mit Artgenossen und anderen Tieren, Straßenlärm etc...).
Diese Phase findet beim Hund zwischen der 8.-14. max 16. Lebenswoche statt – bei der Katze sogar noch früher, nämlich zwischen der 6.-12. Lebenswoche.
Alles was in dieser Zeit verabsäumt wurde, ist später nicht mehr aufholbar und nur sehr schwer bis gar nicht korrigierbar!!!!!
Der Hundewelpe der wohlbehütet im Zwinger am Land in Ruhe und Stille aufwächst und mit ca. 6 Monaten in die Stadt verkauft wird, ist mit dem dort herrschenden Lärmpegel schlichtweg überfordert, was sich zum Beispiel in generalisierten Angstzuständen äußern kann.
Daher ist eine gute Sozialisierung die beste Vorbeugemaßnahme gegen später auftretende Verhaltenstörungen!

Verhaltensänderung:
Verhaltensänderungen bei Haustieren herbeizuführen, ist nur dann möglich, wenn auch der Besitzer sein Verhalten konsequent ändert!
Das ist nicht immer angenehm und vor allen Dingen seht unbequem!
Aber ohne die verläßliche Mitarbeit des Tierbesitzers ist ein Verhaltenstraining nicht durchführbar und daher sinnlos.
Die Patentlösung für ihr Problem am Besten noch am Telefon:
  • Ach Frau Doktor, meine Katze ist schon kastriert, Bachblüten hat sie auch schon bekommen ist aber immer noch unsauber – was kann denn das sein? oder
  • Ich wollte nur Fragen: mein Hund bleibt nicht allein - was soll ich tun?

GIBT ES NICHT!!
Für jede Verhaltensstörung gibt es mannigfaltige Ursachen, nicht jede Katze ist aus demselben Grund unsauber und auch für Trennungsangst gibt es unterschiedliche Ursachen! Daraus folgt: jedes Problem muß genau erörtert werden und wenn möglich sollte die eigentliche Ursache für das Fehlverhalten herausgefunden werden.

Voraussetzungen für jede erfolgreiche Verhaltensmodifikation sind daher:
1.   Der rücksichtsvolle und respektvolle Umgang mit Ihrem Tier (auch Ihr Haustier hat seine eigenen Grenzen der Belastbarkeit)
2.   Das genaue Beobachten und richtige Deuten von Verhaltensweisen
3.   Das Aufbauen eines Vertrauensverhältnisses zwischen Mensch und Tier
4.   Der gute Draht zu Ihrem Verhaltenstherapeuten
Da sich auch die danach eingeleitete Therapie nach dem zugrundeliegenden Problem richtet, ist jede andere Vorgehensweise sinnlos und führt nicht zum gewünschten Ergebnis.

Abschließend möchte ich hier noch die 10 Bitten eines Hundes anführen:

Die zehn Bitten Ihres Hundes, die auch uns am Herzen liegen:

  • Mein Leben dauert 10 – 15 Jahre. Jede Trennung von Dir wird für mich Leiden bedeuten. Bedenke es, eh Du mich anschaffst.
  • Gib mir Zeit zu verstehen, was Du von mir verlangst.
  • Pflanze Vertrauen in mich – ich lebe davon.
  • Zürne mir nie lange und sperre mich zur Strafe nicht ein! Du hast Deine Arbeit. Dein Vergnügen. Deine Freunde – ich habe nur Dich.
  • Sprich manchmal mit mir. Wenn ich auch Deine Worte nicht ganz verstehe, so doch die Stimme die sich an mich wendet!
  • Wisse, wie immer an mir gehandelt wird – ich vergesse es nie.
  • Bedenke, eh Du mich schlägst, daß meine Kiefer mit Leichtigkeit die Knöchelchen Deiner Hand zerquetschen könnten, daß ich aber keinen Gebrauch von Ihnen mache.
  • Ehe Du mich bei der Arbeit „unwillig“ schiltst, „bockig“ oder „faul“, bedenke: vielleicht plagt mich ungeeignetes Futter, vielleicht war ich zu lange der Sonne ausgesetzt oder habe ein verbrauchtes Herz.
  • Kümmere Dich um mich, wenn ich alt werde – auch Du wirst einmal alt sein.
  • Geh jeden schweren Gang mit mir. Sag nie: “Ich kann so etwas nicht sehen“ - oder „es soll in meiner Abwesenheit geschehen“.


Alles ist leichter für mich mit Dir.
Unser Ziel sind in jedem Fall glückliche und zufriedene Haustiere!!